Hutmacher
Wer kann schon von sich behaupten, von Brahms
gelobt worden zu sein? Gustav Jenner, das
Kompositionstalent, vor dem selbst der grantige
Hanseat den Hut zog, schuf zwei unbekannte,
faszinierende Kammermusikwerke, die hier zum
ersten Mal auf CD präsentiert werden: das Es-Dur-
Trio für Klarinette, Horn und Klavier sowie die
Klarinettensonate op. 5 – eingespielt von einem Trio
der jungen Generation, das mit dieser Produktion ihr
MDG-Debüt gibt: Martin Litschgi (Klarinette), Nadja
Helble (Horn) und Iryna Krasnovska (Klavier).
Dienstmann
Von Keitum auf Sylt stammend, wo er 1865 geboren
wurde, verbrachte Gustav Jenner seine Schulzeit
zunächst in Mülheim a. d. Ruhr und ab 1884 in Kiel.
Bereits in jungen Jahren lernte er Klavierspielen und
nahm zusätzlich Kompositionsunterricht. Die positive
Antwort von Johannes Brahms („...stehe Ihnen in
vollem Maße zu Diensten") veranlasste Jenner im
Februar 1888 von Kiel nach Wien umzuziehen –
Jenner wurde zum einzigen Kompositionsschüler, den
Brahms jemals annahm...
Würdenträger
Jenners Zeit in Wien dauerte mit kurzen Unterbrechungen
bis 1895, als er sich um die
freigewordene Stelle als Akademischer Musikdirektor
an der Universität Marburg bewarb. Marburg sollte mit
Jenner einen höchst kompetenten und agilen
Hochschullehrer erhalten: 1900 wurde ihm der
Professorentitel und 1904 die Ehrendoktorwürde
verliehen.
Gradmesser
Der Klarinettist Martin Litschgi startete nach seinem
Studium an der Hochschule für Musik Basel eine
Solokarriere, die ihn schnell zum Widmungsträger
zeitgenössischer Solowerke renommierter Komponisten
machte. Die Hornistin Nadja Helble erhielt ihre
Ausbildung an der Hochschule für Musik Freiburg.
Ihre stupende Technik und künstlerische Eleganz
ermöglichten ihr Konzertreisen durch Europa, Asien
und Amerika. Iryna Krasnovska erzielte früh Erfolge
bei internationalen Solo- und Kammermusikwettbewerben.
2001 begann sie ihr Studium an der
Hochschule für Musik Basel. Zahlreiche Konzerte ließ
sie als Solistin mit namhaften Orchestern zusammenarbeiten.
Iryna Krasnovska wurde 2004 mit dem 1.
Preis des RAHN-Musikpreis-Wettbewerbs Zürich
ausgezeichnet.