Beschreibung
Ernst
Wie kaum eine andere musikalische Gattung ist
das Kunstlied geschaffen, extreme menschliche
Seelenzustände zum Ausdruck zu bringen. Die
Beschäftigung mit Sterben und Tod, mit dem
Verlust geliebter Menschen und mit der eigenen
Vergänglichkeit steht darum immer wieder im
Mittelpunkt. Von den seltenen zyklischen
Werken, die sich auf unterschiedliche und
dennoch immer zutiefst anrührende Weise mit
dem Thema auseinandersetzen, haben Bariton
Hanno Müller-Brachmann und Pianist Hendrik
Heilmann Mahlers „Kindertotenlieder“, die
„Jedermann-Monologe“ von Frank Martin und
„Vier ernste Gesänge“ von Johannes Brahms
ausgewählt.
Trauer
Die „Kindertotenlieder“ gehören sicher zum
Ergreifendsten, was Musik und Dichtkunst je
hervorgebracht haben. Friedrich Rückert
verarbeitet in den über 400 Gedichten den
Verlust seiner einzigen Tochter und eines seiner
Söhne, die im Kindesalter an Scharlach
gestorben waren. Gustav Mahlers Auswahl aus
dem gewaltigen Konvolut vereint alle Extreme
menschlichen Gefühls: Von Trauer und
Verzweiflung über Verdrängung ins Traumhafte
bis zur Hoffnung auf Erlösung und Wiedersehen
im Jenseits.
Trost
Brachmann und Heilmann loten diese Extreme
aus, etwa bei „In diesem Wetter, in diesem
Braus“, bei dem die Stimme gegen den Sturm
geradezu anschreien muss, um kurz darauf in
einem geradezu himmlischen Wiegenlied Trost
zu finden. Martins „Jedermann-Monologe“ setzen
da an, wo Hoffmansthals berühmter
„Jedermann“, bereits von allen irdischen
Freunden verlassen, auf sein Ende schaut. Der
einstige Schwerenöter, zunächst von Todesangst
geplagt, findet am Ende gefasst zu seinem
Schöpfer: Faszinierend, wie Martin diese
Wandlung mit Hoffmansthals Knittelversen in
Töne zu setzen versteht!
Liebe
Brahms wiederum nimmt für seine „Vier ernsten
Gesänge“ Texte aus der Bibel zur Vorlage, von
den Vergänglichkeitslitaneien des Predigers
Salomo bis zum „Hohelied der Liebe“ aus dem
ersten Korintherbrief. Ob die Verluste, die
Brahms zur Zeit der Niederschrift beklagen
musste, oder gar eine Vorahnung seines eigenen
Todes nur kurze Zeit später in der Komposition
ihre Spuren hinterlassen haben, muss offenbleiben.
Brachmann und Heilmann jedenfalls
finden einen persönlichen Zugang zu den
Werken, der die eigene Betroffenheit zutiefst
nahebringt.
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