traditionsbewusst
Ein neuer Coup des Musikkollegium Winterthur: Für
die Fortsetzung der Gesamtaufnahme der Sinfonien
von Felix Mendelssohn Bartholdy – diesmal die
Sinfonien Nr. 1 und 5 – steht Thomas Zehetmair am
Pult des ältesten Schweizer Orchesters. Und wieder
gelingt eine packende Deutung, in der die Winterthurer
mit beweglicher und agiler Klangkultur ihre
philharmonische Extraklasse unter Beweis stellen.
jugendlich
Gerade einmal fünfzehn Jahre alt war Felix
Mendelssohn Bartholdy, als er seine erste Sinfonie
vollendete. Der Erstling ist eigentlich gar keiner, denn
zuvor schon hatte das Wunderkind zwölf Sinfonien für
Streichorchester abgeliefert; seine sogenannte „Erste“
ist allerdings mit vollem Bläsersatz perfekt ausinstrumentiert
und rief schon unter den Zeitgenossen
nahezu ungeteilte Begeisterung hervor – man stellte
den Jungstar gar in eine Reihe mit Haydn, Mozart und
Beethoven!
historisch informiert
Bereits fünf Jahre später komponierte Mendelssohn
seine „Reformationssinfonie“, die heute als 5. firmiert.
Kurz zuvor hatte er Bachs Matthäuspassion wieder
entdeckt, und die Einflüsse sind unüberhörbar:
barocke Satztechnik und meisterhafte Kontrapunktik
prägen das Werk, das deshalb manchem damals als
„zu gelehrt“ daherkam. Völlig zu Unrecht: Man höre
nur einmal die heitere Leichtigkeit des zweiten
Satzes, der in der schlanken Winterthurer Besetzung
von besonderer Wirkung ist!
zukunftsfähig
Aber auch die Verwendung des „Dresdner Amen“,
das Richard Wagner mehr beeinflusste, als dieser
zugeben würde (es findet sich später im „Parsifal“
wieder), und der Luther-Choral „Ein feste Burg ist
unser Gott“ im letzten Satz weisen weit in die
musikalische Zukunft. Unter Thomas Zehetmairs
Stabführung entschlackt das Musikkollegium Winterthur
Mendelssohns Sinfonien von spätromantischem
Ballast und sorgt mit Transparenz und Frische für ein
ungetrübtes Hörerlebnis, das im dreidimensionalen
2+2+2-Klang und feinster SACD-Technik ein wiederholtes
Hören unumgänglich und lohnend macht!