Vorbild
Steffen Schleiermacher ist einer der wichtigsten Neue-Musik-Interpreten unserer Zeit. Seit 20 Jahren überrascht der freischaffende Komponist und international gefeierte Pianist durch höchst interessante Aufnahmeprojekte. Mit seiner „Hommage an August Stramm“ präsentiert er sehr unterschiedliche Vertonungen von Texten eines richtungweisenden deutschen Dichters, der in den Wirren des 1. Weltkriegs ums Leben kam.
Vorreiter
1874 geboren, gilt der Inspektor im Reichspostministerium und Hauptmann der Reserve als Erfinder der modernen Lyrik. Seine fragmentarischen Wortformen, die Sprachexperimente und typographischen Neuerungen machten ihn quasi über Nacht zum Wortführer des deutschen Expressionismus und zur Fundgrube der musikalischen Avantgarde um Gerhard Rühm, Klarenz Barlow, Milton Babbitt, Wolfgang Heisig und Wolfgang Rihm.
Vorsetzer
Die erste Vertonung von Stramm-Gedichten entstand bereits 1922. Wladimir Vogel schuf damals die „Drei Sprechlieder“ für tiefe Männerstimme und Klavier. Sieben Jahre zuvor hatte Herwarth Walden den „Heeresmarsch für August Stramm“ zu dessen Tod komponiert. Steffen Schleiermacher arrangierte die Original-Vorlage bei dieser Aufnahme für Phonola, einem automatischen Vorsetzer für das Klavier, dessen Papierrolle auch Wolfgang Heisig seine Komposition anvertraut.
Fortüne
Aus Anlass der Weltausstellung in Hannover hatte Steffen Schleiermacher „Die Menschheit“ von August Stramm für Gesang und präpariertes Klavier vertont. Vom Klang des ehrwürdigen Konzertflügels bleibt hier indes kaum etwas übrig: Schleiermacher präpariert sein Klavier in diesem Fall sehr geschickt mit Gummi, Metallstücken und Holz... Fazit: Mit dieser CD ist den Musikern ein ebenso unkonventionelle wie hörenswerte Entdeckungsreise geglückt in einen weitgehend unbekannten Klangkosmos aus Sopran, Bariton, Bassflöte, Bratsche, Phonola, Klavier und Sampler.