prächtig
Jacques Ibert steht nach Schubert und Brahms im
Zentrum der dritten Produktion, die Peter Gülke mit
seinen Brandenburger Symphonikern für MDG
eingespielt hat. Weit mehr als ein „Zwischenstopp“ ist
daraus geworden: Die besonderen, sehr eigenen
Qualitäten dieser Musik zwischen Impressionismus und
Neoklassizismus, zwischen Romantik und Moderne,
zwischen Virtuosentum und Klangmalerei präsentiert
Gülke auf dieser Super Audio CD mit scheinbarer
Selbstverständlichkeit, die von tiefer Kenntnis und
großem Respekt zeugt.
faszinierend
Einer festen Stilrichtung ist Ibert nur schwer zuzuordnen.
Mit den etwa gleichaltrigen Komponisten der „Groupe
des Six“ war er selbstverständlich in Kontakt, und
natürlich sind Einflüsse von Ravel und Debussy nicht zu
überhören. „Escales“ (Zwischenlandungen) erlauben
Ibert, wie auf einer Reise drei sehr verschiedene Orte mit
ihrem jeweils eigenen Kolorit zu besuchen, inklusive Ruf
des Muezzins und Zingharese-Anklängen.
Atemlos
Hierzulande ist Iberts Musik maßlos unterschätzt.
Allenfalls das Flötenkonzert steht hin und wieder mal auf
dem Spielplan - auch Gülkes kundige Zusammenstellung
geht daran nicht vorbei. Flötistin Helen Dabringhaus, der
der Komponist kaum einmal Zeit zum Luftholen gönnt,
bereitet der anspruchsvolle Solopart hörbar Vergnügen,
und in den polytonalen Schichten des zweiten Satzes
weiß sich die junge Virtuosin wunderbar an den
begleitenden Streichern zu reiben.
zauberhaft
Außermusikalische Anregungen sind in der
französischen Musik nicht selten, und auch Ibert lässt
sich davon inspirieren, sehr deutlich in der „Suite
symphonique“, eher rätselhaft in der „Symphonie
marine“. Das „Louisville concert“ schlägt dann gar
amerikanische Töne an. Gülke, der altersbedingt die
Brandenburger Symphoniker eigentlich nur übergangsweise
übernehmen wollte, formt in seiner inzwischen
vierten Saison diese poetischen Werke zu
verführerischen Klanggemälden. Ein Glücksfall für das
Orchester – und natürlich für das Publikum!