Entdeckung
Zwei Jahre jünger als Johann Sebastian Bach, aber
seine Musik weist schon auf die kommende Generation:
Johann Balthasar Christian Freislich war musikalisch
absolut auf der Höhe der Zeit. Abseits der traditionellen
Musikzentren Europas schuf er in Danzig Werke, die den
topaktuellen galanten bis empfindsamen Stil mit dem
opulenten Geschmack der wohl eher konservativen
Danziger Bürgerschaft versöhnte. Andrzej Szadejko
präsentiert mit seinem Goldberg Baroque Ensemble drei
weltliche Kantaten Freislichs; ein weiteres Juwel in der
schmucken MDG-Serie des reichhaltigen baltischen
Musikerbes.
Entrückung
Freislich war als Kapellmeister an der Marienkirche
angestellt, aber immer wieder fand er zu weltlichen
Anlässen Gelegenheit zu komponieren, so etwa 1754
zum 300. Jahrestag der Befreiung Danzigs und ganz
Preußens von der Herrschaft des Deutschen Ordens.
Pauken und Trompeten dürfen zu so einem Fest
natürlich nicht fehlen. Feierliche Chöre und aberwitzig
virtuose Arien zeugen in „Auf Danzig, auf“ einmal mehr
vom herausragenden musikalischen Niveau der
Ostseemetropole.
Entzückung
In Danzig wurden Gymnasiallehrer noch stilvoll
eingeführt: 1749 entstand zu diesem Anlass mit „Kinder
der Musen“ eine Kantate, die das Zusammenwirken der
Künste und Wissenschaften besingt. Wunderbar die
unmittelbare Tonmalerei, die Freislich auch hier immer
wieder einsetzt, so etwa das blinde Tappen, Wanken,
Stolpern, Irren des Ungebildeten, dem der Führer - also
der Lehrer - abhandengekommen ist.
Empfehlung
Besonders apart und reizvoll ist die Solokantate „Eilet, ihr
beglückten Schiffe“, die Bassist Thilo Dahlmann mit
gewandter Stimme und schauspielerischem Ausdruck zu
gestalten weiß. Sie preist „Schnupftobak, Caffee und
Thee“ als Allheilmittel, „kluger Leute Panacée“. Hier weiß
Freislich sich auch in diversen Nationalstilen zu Hause:
Natürlich darf die Polonaise nicht fehlen, aber auch
französisches Flair breitet sich aus – eine echte
Entdeckung!