Beschreibung
Romanze
Brahms und die Liebe – war da was? Sicher, er
schwärmte wohl lange Zeit für seine Gönnerin Clara
Schumann – dabei wird eine viel näherliegende
„Affäre“ gern übersehen: Ausgerechnet auf
Schumanns Tochter Julie hatte er sein Auge geworfen
und ihr – völlig gegen seine Gewohnheit – die
„Schumann-Variationen“ gewidmet. Die „Liebeslieder-
Walzer“ entstanden unter dem Eindruck dieser
offensichtlich aufrichtigen Beziehung, und dass nach
deren für Brahms überraschenden und unglücklichen
Ende die weltschmerzende „Alt-Rhapsodie“ folgte,
zeigt nur, wie ernst es dem vermeintlichen
Eigenbrötler war. Die „Liebeslieder-Walzer“ hingegen
wurden schon zu Brahms´ Lebzeiten zum
Kassenschlager – kein Wunder, wenn man sich die
Neuaufnahme mit dem Norddeutschen Figuralchor
unter der Leitung von Jörg Straube anhört!
Remake
Die unbeschwerten und heiteren Klänge bestimmen
den Zyklus, die Schattenseiten der Liebe werden nur
kurz und nicht ohne Augenzwinkern gestreift.
Folkloristische Anklänge erinnern an die „Ungarischen
Tänze“, und auch Lautmalerisches kommt nicht zu
kurz. Wegen des überwältigenden Erfolgs legte
Brahms einige Jahre später eine zweite Sammlung
nach. Die hat es allerdings in sich: Mit dem letzten
Stück spielt er auf die „Alt-Rhapsodie“ an – wenn das
keinen Stoff für autobiografische Spekulationen bietet!
Reduktion
Jörg Straube kann mit einem Figuralchor in
Bestbesetzung aufwarten. Das erlaubt es ihm, auch
einige der Liebeslieder solistisch zu besetzen –
gerade in der zweiten Serie mit den oft ein- und
zweistimmigen Stücken ein echter Gewinn. Und auch
in den ergänzenden A-cappella-Werken zeigt sich die
hohe Qualität des Vokalensembles: Man höre nur
einmal das „Abendständchen“, das mit seinen
modalen Wendungen und terzlosen Klängen eine
eigentümlich archaische Stimmung heraufbeschwört!
Rekord
Deutlich komplexer sind die „Fünf Gesänge“ op. 104
angelegt. In den bis zu sechsstimmigen Liedern zeigt
sich Brahms auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
Die anspruchsvollen Partituren meistert der
Norddeutsche Figuralchor mit Bravour, und die edel
abgestimmte Abmischung auf Super Audio CD
erzeugt eine Atmosphäre umwerfender Natürlichkeit.
Da möchte man gleich mitsingen – wenn man´s denn
so schön könnte…
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