Beschreibung
Streichholz
Erst posthum sind die sechs Violinsonaten op. 6 von
Johann Stamitz im Druck erschienen. Das verwundert
nicht, denn außer dem Komponisten selbst wären nur
wenige seinerzeit in der Lage gewesen, die
halsbrecherischen violinistischen Schwierigkeiten zu
bewältigen. Stamitz war berühmt für seine schier
unglaubliche Fingerfertigkeit, und als einer der
Urväter der deutschen Geigertradition hält sich dieser
Ruf bis heute. Stephan Schardt hat sich der
Herausforderung gestellt und überrascht mit einem
Album, das jenseits aller Geigenakrobatik mit
vollendeter Schönheit erfreut.
Feuerwerk
Besonders prachtvoll sind die Adagio-Sätze
ausgeziert, die die Sonaten eröffnen. Schon gleich im
Adagio der G-Dur-Sonate scheint das Thema nur
dazu geschrieben zu sein, um Raum für Ornamente
und Arabesken zu geben. Man fühlt sich gleichsam in
ein musikalisches Rokokoschloss versetzt, dessen
reiche Stuckornamente die Wände zum
Verschwinden bringen. Das Adagio der D-Dur-Sonate
ist durchgängig in Doppelgriffen gesetzt – ein
absolutes Novum, ebenso, wie das immer wieder
anzutreffende kantable Spiel in den höchsten Höhen,
besonders in den schnellen Mittelsätzen. Die Vielfalt
der Spielfiguren ist schier unglaublich; waghalsige
Sprünge über mehrere Saiten und blitzschnelle
Registerwechsel sind keine Seltenheit. Stephan
Schardt präsentiert diese violinistischen Höchstschwierigkeiten
mit souveräner Leichtigkeit und sorgt
so für uneingeschränktes Hörvergnügen.
Rakete
Daran hat auch Michael Behringers fantasievolles
Continuospiel einen erheblichen Anteil. Großartig, wie
er improvisierend die zahlreichen überraschenden
Kapriolen der Violine aufnimmt, kommentiert und
variiert! Das ist spätbarockes Duospiel auf
allerhöchstem Niveau und beweist eindrucksvoll, dass
Johann Stamitz, der in Mannheim die Orchestermusik
in eine neue Sphäre katapultiert hat, auch kammermusikalisch
voll auf der Höhe war.
Knaller
Besonders schön wird´s mit MDGs 2+2+2-Wiedergabe:
Im dreidimensionalem Klang der sorgfältig
produzierten Super Audio CD ist das musikalische
Geschehen mit den Händen zu greifen. Mit nur sechs
Lautsprechern wird auch das kleinste Wohnzimmer
zum Festsaal, man hört geradezu die Allongeperücke
und den feinen Batist der opulenten Roben. So kann
sich jeder zu Hause als Schlossherr fühlen.
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