ausgezeichnet
Es muss nicht immer Beethoven sein: Auch
Johann Christian Heinrich Rinck feiert in diesem
Jahr seinen 250. Geburtstag. Zu Lebzeiten hochgeschätzt
und mit Auszeichnungen überhäuft, ist
seine Musik nahezu vollständig in Vergessenheit
geraten. Das Trio Parnassus hat sich mit Rincks
schmalem Oeuvre für Kammermusik
auseinander-gesetzt und entdeckte dabei einen
Komponisten, der auf höchst individuelle Weise
rokokohafte Eleganz mit romantischen Einfällen
verbindet.
losgelöst
Schon in der äußeren Form seiner Werke erweist
sich Rinck als unabhängiger Geist: Die drei
Klaviertrios op. 32 umfassen nur jeweils zwei
Sätze, die „Sonate“ D-Dur für Klaviertrio besteht
gar nur aus einem einzigen. Den verschollenen
Cellopart der Sonate hat Ulrich Rasche
behutsam nach Vergleichen aus Rincks
Spätwerk rekonstruiert. Grüblerisches Auswalzen
von Themen und Motiven ist Rinck fremd; in oft
knappen Dimensionen entfaltet er eine luftige
Leichtigkeit, die aber immer wieder von
überraschenden Brechungen konterkariert wird.
anspruchsvoll
Vielleicht ist es dieses Unbeschwerte, das Rinck
dazu veranlasste, die hier eingespielte
Violinsonate mit dem Zusatz „très facile“ zu
versehen. Das Fehlen technischen Anspruchs
kann es jedenfalls nicht gewesen sein, denn
sowohl Klavier als auch Violine haben immer mal
wieder, besonders im charmanten Variationssatz,
alle Hände voll zu tun. Mozart ist bei diesem
frühen Werk nicht weit.
feierlich
Das abschließende Trio in Es-Dur entspricht mit
seinen drei Sätzen dann am ehesten klassischen
Formvorstellungen. Mit langsamer Einleitung und
ausdrucksstarken Harmonien kommt dieses
gewichtige Werk Beethovens Tonsprache sehr
nahe. Eine willkommene Erweiterung des vom
Jubiläum geschwängerten musikalischen
Horizonts!